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Die
(Kurz-)Geschichte
der Hypnose
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Hypnose
bei frühen Kulturvölkern
Bereits bei den Sumerern sind Hinweise auf Hypnose zu finden. Sie
beschreiben einen durch
besondere spirituelle Rituale erzeugten heilsamen Schlaf.
Ebenso wird in Hieroglyphen der alten Ägypter, sowie im
Mahabharata der Hindus von
dem Gebrauch der Hypnose berichtet.
Aus Schriftrollen der alten Ägypter aus dem dritten Jahrhundert
vor Christus wird berichtet,
wie durch die Fixation eines leuchtenden Gegenstandes ein Junge in
Hypnose versetzt
wird. Die Hierbei entstandene Trance wurde zum Hellsehen
verwendet.
Die antiken Griechen richteten schon ca. 400 v. Chr. sogenannte
Schlaftempel ein. Es wird dort von Heilungen wie Handlähmung, Blindheit und Hautmalen
berichtet. Diese Tradition der
Anwendung von Hypnose in Schlaftempeln verbreitete sich im laufe
von 1000 Jahren weiter
über Griechenland, Rom, Ägypten und Karthago.
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Hypnose
bei Naturvölkern
Von den Naturvölkern wird berichtet, das Sie in der Anwendung der
Hypnose eine lange und
vielfältige Tradition besitzen. So wird etwa von australischen
Medizinmännern berichtet, die
bei Initiationsriten Körper öffnen und narbenlos wieder verschließen. der Berichterstatter
Bastian schreibt um 1890 über Eingeborene in Britisch-Guyana die
von Kopfschmerzen
mittels hypnotischen Schlaf heilen. Bei den amerikanischen
Indianern werden rhythmische
Tänze benutzt um in einen Trance-Zustand zu gelangen.
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Hypnose
in der Religion
Viele Kulturen benutzen Hypnose in der Religion zur Meditation
oder zum Gebet. So ist
heute allgemein bekannt, das Yoga starke physiologische
Veränderungen bewirkt. Beim
Lung-gom, einer tantrischen Praktik versetzt sich der Läufer in
Trance um besonders
sicher Hindernisse zu erkennen und sein Ziel zu fixieren. Beim
Zen-Buddhismus werden
ausgedehnte Meditationstechniken angewandt, die eine hypnotische
Trance nach sich
ziehen. Aber auch die monotonen Rosenkranzgebete der katholischen
Kirche wirken
ähnlich einer Tranceinduktion.
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Hypnose
im Mittelalter
Es wird von zahlreichen Delinquenten im Mittelalter berichtet, die
sich mittels Selbst-
suggestion den Folterkellern der heiligen Inquisition entzogen
haben. Sie nutzten die Möglichkeit der Schmerzanästhesie um der "peinlichen
Befragung" zu widerstehen.
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Hypnose
beim Exorzismus
Der Pater Johann Joseph Gassner betätigte sich im 18. Jahrhundert
als Landpfarrer in der
Schweiz, der das Amt des Exorzisten inne hatte. In einem von Ihm
verfassten Lehrbuch beschreibt er verschiedene Formen der Besessenheit und deren
Heilung durch hypnotische
Techniken (die er freilich als eine besondere Form des Exorzismus
beschrieb). So versuchte
er zunächst durch Provokation den Beweis der Besessenheit zu
führen. War dieser erbracht,
so ließ er zunächst Krämpfe in verschiedene Glieder fahren und
die Teufel im Menschen dort verschiedene Gefühle und Verhaltensweisen ausüben. Anschließend
befahl er durch die
somit erhaltene Macht über diese Teufel, deren verschwinden.
(Die von Gassner geschilderten Symptome der Besessenheit würden
heute wohl eher dem
Formenkreis der Dissoziativen Störung zugeschrieben werden)
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Versuche die Hypnose
wissenschaftlich zu beschreiben und zu nutzen
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Franz Anton Mesmer (1734-1815)
Nachdem Mesmer Theologie, Philosophie, Jura und Medizin studierte,
schreibt er in
seiner Dissertation über den Einfluss der Gestirne auf den
Körper. Er stellte die Theorie des animalischen Magnetismus auf, mit dessen Hilfe er Heilungen
durchführte. Meist führte
er Kollektivbehandlungen durch, in denen er eine Gruppe von
Menschen um ein mit Eisen-
stangen gefülltes Holzfass mit magnetisierten Wasser anordnet.
Durch die Berührung der
Eisenstangen die aus dem Fass ragten, an den kranken
Körperstellen, erfolgte dann die
Heilung. Zur Verstärkung der Therapie lies Mesmer Musik
einspielen oder verwendete große
Spiegel während er Oberbauch und Glieder berührte. Dem Zeitgeist
entsprechend (nach
Entdeckungen von Newton, Volta und Galvani), versuchte er die
hypnotischen Phänomene physikalisch durch die Kraft des Magnetismus zu erklären. Eine
von Ludwig den XVI. eingesetzte Untersuchungskommission, der u.a. Franklin und Guillotin
angehörten, lies Mesmers Versuch, den animalischen Magnetismus wissenschaftlich
anzuerkennen
scheitern.
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James Braid (1795-1860)
Der
englische Augenchirurg James Braid nimmt an einer Show-
vorführung des Magnetiseurs LaFontaine teil und erkennt kritisch,
dass das Lidflattern des Klienten echt und somit nicht simuliert
sein kann. Darauf hin unternimmt er mit einem leuchtenden
Gegenstand eigene Versuche zur Augenfixation und erkennt, das
er dadurch ähnliche Phänomene wie durch verbale Anweisungen
erzielen kann.
Durch diese Erkenntnisse verwirft er die Theorie des Magnetismus.
Er nimmt vielmehr an, das für die erzeugten Phänomene hirn-
organische Veränderungen verantwortlich sind.
Er führt zahlreiche Augenoperationen unter hypnotisch erzeugter
Anästhesie durch und sorgt so in England für aufsehen. Die
Methode verbreitet sich rasch im Angelsächsichen Raum, hält sich jedoch nur
wenige Jahre da
die Entdeckung der Narkosemittel Äther und Chloroform neue
Möglichkeiten zur Anästhesie
bieten.
Von James Braid stammt der Begriff Hypnose. Er vermutet zunächst,
das es sich bei den
Phänomenen um einen schlafähnlichen Zustand handelt und leitet
deshalb aus dem griechischen hypnos = Schlaf den Begriff Hypnose ab. Später
widerruft er seine Theorie und
sieht den hypnotischen Zustand als einen vom Schlaf Abzugrenzenden. Doch der
Begriff
Hypnose hat sich zu diesem Zeitpunkt schon durchgesetzt.
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Die Schule von Nancy
An
der Universität von Nancy interessiert sich der Professor
für innere Medizin Hippolyte Bernheim (1840-1919) für die
Arbeit des Landarztes Auguste Ambroise Liébeault (1823-1904).
Liébeauld wird von seinen Fachkollegen als Quacksalber verachtet,
da er die einfache Landbevölkerung durch Hypnose und ohne
Honorar behandelt.
Bernheim begründet mit einigen Psychiatern die "Schule von
Nancy"
und führt als erster die Wirkung der Hypnose auf die Wirkung der
Suggestion zurück. Damit stand er mit Kollegen wie Charcot in
heftigem widerstand.
Bei Bernheim studierten u.a. der Russe Bechterew, August Forel und
Freud.
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Die Salpêtrière
Martin
Charcot (1825-1893), Chefarzt einer Abteilung der Salpêtrière,
eines 5000 Betten fassenden Krankenhauskomplexes, war wohl der
berühmteste Neurologe des ausgehenden 19. Jahrhunderts.
Er versuchte mittels Hypnose den Zustand eines epileptischen
Anfalls von dem eines Hysterikers zu unterscheiden. Durch seine
Untersuchungen grenzte er drei unterschiedliche Stadien der
Hypnose ab: Lethargie, Katalepsie und Somnambulismus. Diese
Erkenntnisse veröffentlichte Charcot vor der Académie des
Sciences
(diese lehnte vorher Mesmers Magnetismus ab) und lies der
Hypnose, als wissenschaftliche Methode, Anerkennung erfahren.
Schüler Charcots sind u.a. Gilles de la Tourette, Joseph Babinski
und Sigmund Freud. Heftige
Kritik erfuhr Charcot vor allem aus Nancy. Man wies ihm
methodische Fehler bei der Er-
fassung seiner Studiendaten nach. Ausserdem kannte Charcot so
manchen Patienten nur
vom Papier. Dennoch leistete er auf anderen neurologischen
Bereichen wichtige Forschungs-
arbeit.
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Sigmund Freud (1856-1939)
Nach
einem kurzen Studium bei Charcot kehrt Freud als Arzt des
Wiener Allgemeinkrankenhauses zurück. Er zeigt Interesse an den
Lehren Bernheims, besucht diesen und übersetzt Bernheims Lehr-
buch ins Deutsche. Er ist fasziniert von der Möglichkeit unter
Hypnose Symptome auftreten und wieder verschwinden zu lassen.
Tragisch (für die Hypnosetherapie) endet die Begegnung Freuds mit
dem Internisten Josef Breuer. Breuer setzt als Therapieform auf
die
"kathartische Methode", bei der der Patient sich unter
Hypnose ausspricht und abreagiert. Aufgrund der unterschiedlichen
Ansichten
Freuds und Breuers zum Thema Hysterie kommt es zwischen beiden
zum Bruch. Freud wendet sich von der "kathartischen
Methode" und
somit von der Hypnose ab. Freuds Hauptkritik an der Hypnose
umfasst weitgehend die in der
Rubrik Hypnose genannten Vorurteile. Es sei noch darauf
hingewiesen, das die Hypnose auch
in Kreisen der Psychoanalyse sehr wohl eine erfolgreiche Tradition
hat.
Etwas versöhnlich muss man wohl eingestehen, das die Hypnose, so
wie sie zu Freuds Wirkzeiten angewandt wurde, oftmals geradezu ein Klischee dieser
Vorurteile verkörperte.
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Milton Erickson (1901-1980)
Milton
Erickson, amerikanischer Arzt und Psychiater gilt heute als
Vater der modernen Hypnotherapie. Er setzte vor allem auf die
Wirkung von Metaphern, die den engen Bezugsrahmen des Patienten
durchbrechen können und neue oder verschüttete Ressourcen
wecken. Seine permissiven und indirekten Suggestionen (entgegen
dem autoritären Stil vergangener Tage) markieren einen Wendepunkt
in der Geschichte der therapeutischen Hypnose. Mit seinem Utili-
sationsprinzip (alles was der Patient mitbringt wird genutzt) wandelt
er die Hypnose als ein
vormals starres Ritual in eine humanistische Therapieform. Er
betont stark die notwendigen
Therapeutenvariablen wie z.B. Empathie zur Wirksamkeit einer
Therapie (weshalb er auch
immer die Gründung einer eigenen "Ericksonschen Schule"
ablehnte).
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Hypnosetherapie heute
Die Forschung zur Hypnose hat sich in den letzten zwanzig Jahren
stark weiter entwickelt.
So wurden in Grundlagenforschungen die Auswirkungen von Hypnose
auf die Hirnreaktionen
mittels EEG und bildgebenden Verfahren untersucht. In klinischen
Studien wurde die
Wirksamkeit von Hypnose im medizinischen Bereich, wie etwa der
physiologischen
Beeinflussung des Immunsystems ratifiziert.
Heute existiert eine Vielfallt von Therapieschulen, die mit den
unterschiedlichsten Ansätzen
der Hypnose kombiniert werden.
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