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Theorie zur Wirkungsweise von Hypnose


Es gibt eine Vielzahl von Hypothesen zur Erklärung der Wirkweise von Hypnose. Zwei wesentliche Theorien beschreiben auf der einen Seite die veränderte Physiologie, auf der Anderen sozial- psychologische Mechanismen, die eine Veränderung hervorrufen. Obwohl teilweise ein nicht unerheblicher fachlicher Disput zwischen den Vertretern beider Lager ausgetragen wird, so müssen sich diese Theorien nicht unbedingt widersprechen.

 

  1. Biologische Erklärungsversuche

  • Umstellung des Organismus

    Man nimmt an, das mit dem Eintreten einer Entspannung eine Verschiebung
    des Einflusses des sympathischen hin zum parasympathischen Nervensystem
    erfolgt. Hierbei kommt es zu einer allgemeinen Verringerung der Muskelaktivität.
    Diese Mechanismen machen die hypnotische Trance erklärbar.

  • Instinktive Reaktionen (Atavismus)

    Fühlen sich manche Tierarten bedroht, so versuchen Sie der Verfolgung
    dadurch zu entkommen, indem sie sich Tod stellen. Beim Menschen ist
    ein ähnlicher Instinkt vorhanden. Hierbei wird auch ein Phänomen der
    Abspaltung von Körperwahrnehmungen beobachtet (Dissoziation).

  • Verschiebung der Aufmerksamkeit

    Der veränderte Bewusstseinszustand der Trance wird hier mit einer
    verschobenen Aufmerksamkeit erklärt. Man nimmt an, das jedes Mal wenn wir
    unsere Aufmerksamkeit auf ein bestimmtes Ziel richten in eine Art Trance-
    zustand fallen.

  • Verbindung zwischen mentalen und körperlichen Ereignissen

    Es ist erwiesen, das z.B. Medikamente die lediglich eine Placebo-Wirkung
    besitzen einen medizinisch nachweisbaren Effekt erzielen. Genau so können
    bildhafte Vorstellungen von der Heilung einer Wunde diesen Prozess
    beschleunigen. Für die Hypnose sind einige Phänomene bekannt, die sich
    dieser Mechanismen bedienen (Pendelbewegungen, Warzenheilung, Blutungs-
    kontrolle etc.).

  • Freuds Primär- bzw. Sekundärprozess

    Täglich unterscheiden wir im Denken zwischen unterschiedlichen Kriterien. 
    Zwischen Phantasie und Wirklichkeit, Wichtig und Unwichtig etc. Wir sind
    fähig uns von anderen Personen zu unterscheiden, wodurch wir uns unserer
    eigenen Identität deutlich werden. Diesen Vorgang nennt Freud Sekundär-
    prozess.
    Davon grenzt er die Zustände des Traums, gewisse Psychosen und die Trance
    ab. Freud spricht hierbei vom Primärprozess. Bei diesem Denkmuster werden
    stärker die Gemeinsamkeiten zwischen den Dingen betont. Hierbei verlieren
    Zeit und Unterschiede an Bedeutung. So stört sich etwa ein Weitspringer, der
    sich in Trance vorstellt er könne so weit springen wie ein Panther, nicht an den
    Unterschieden der Anatomie.

  • Subliminale Wahrnehmung

    Wir alle kennen das. Wir sind auf einer Party in ein Gespräch vertieft und irgend
    jemand im Raum erwähnt unseren Namen. Sofort wenden wir uns dieser Person
    zu, obwohl wir eigentlich ganz auf das Gespräch mit unserem Gegenüber fixiert
    waren. Die menschliche Verarbeitung, der über unsere Sinnesorgane
    aufgenommenen Informationen, ist offenbar zu Wahrnehmungen jenseits des 
    bewussten Registrierens fähig. Man nimmt an, das die besondere Wirkung von
    Suggestionen unter Hypnose mit darauf zurückgeführt werden kann, das der
    Hypnotisand seinen Fokus auf die innere Wahrnehmung gerichtet hat und
    somit die Suggestion unbewusst aufnimmt. Dadurch können Widerstände
    unseres bewussten Denkens überwunden werden. 

 

  1. Unser Sozialverhalten als Erklärungsmodell

  • Rollenerwartung

    Barber und Spanos stellten die Hypothese auf, das in einer Situation, die als
    Hypnose bezeichnet wird, die Teilnehmer durch bestimmte Erwartungen eine
    Rolle einnehmen. Der Klient lässt sich auf diese Situation ein und verhält sich
    entsprechend den für Hypnose bekannten Phänomenen, um die in Ihn gesetzten
    Erwartungen zu erfüllen. Dadurch kommt auch eine Kooperation mit dem Thera-
    peuten zustande.

  • Maß an Rollenbeteiligung

    Wir sind fähig unterschiedliche Rollen im Alltag einzunehmen. Je nachdem, in
    welcher Situation wir so ein Rollenverhalten zeigen, desto mehr oder weniger
    ist unsere Beteiligung (Involviertheit) an dieser Rolle. In der Situation eines
    Verkaufsgespräches im Elektrofachmarkt sind wir wohl weniger in das Muster
    der Rolle verstrickt als in der Eltern-Kind-Situation. Bei einer gut durchgeführten
    Hypnose ist die Beteiligung an der Rolle relativ groß, weshalb sie therapeutisch
    ebenfalls von großem Nutzen ist.

  • Rückfall in frühere, kindliche Verhaltens- und Erlebnisweisen (Regression)

    Der Klient nimmt bei der Hypnose eine eher passive Haltung ein. Dies soll die
    Reaktivierung einer früheren Eltern-Kind Beziehung in der therapeutischen 
    Situation begünstigen. Der Klient erlebt eine Regression. Hierdurch werden
    wiederum die Suggestibilität und der Primärprozess gefördert.



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